Erhobenen Kopfes durch gefährliche Welt

Schulprojekt zur Selbstbehauptung als Impuls

 

Es gibt Geschichten, die beginnen mit Irrungen und Wirrungen. So auch diese, wenngleich man vorwegnehmen darf: Ende gut, alles gut. Die Geschichte dreht sich offiziell um ein Projekt zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung an Schulen, in Auftrag gegeben von der Stadt Bühl, federführend organisiert von den Kampfsportlern Thorsten und Michael Kunz vom Budozentrum Dokan sowie Stefan Huber von der Taekwondo Schule Olymp. Die drei Trainer, jeweils im Duo unterwegs, sind auch aus beruflichen Gründen für die Aufgabe prädestiniert: Sie arbeiten bei der Tessen GbR (Sicherheit und Deeskalation) respektive bei der Sportschule Huber. Soweit, so perfekt. Wenn aber der Server einer Schule, wie an der CNR geschehen, ausfällt und E-Mails im Nirgendwo verharren; wenn Termine mit langer Vorlaufzeit vereinbart wurden; und wenn die Hitze so extrem ist, dass der Sportunterricht in der Halle unmöglich wird und Lehrer spontan mit den Schülern zu einem Spielplatz laufen, dann können sich besagte Irrungen und Wirrungen ergeben. Weitere Hürden mögen unerwähnt bleiben, das „gute Ende“ findet schließlich im Dokan statt.

 


Aus der Verzögerung ergibt sich freilich ein Vorteil für den ABB: Michael Kunz und Stefan Huber haben genug Wartezeit, um ausführlich über das Projekt zu berichten, das seit April an den städtischen Schulen läuft, aus personellen und zeitlichen Gründen auf alle Fünft- und Sechstklässler beschränkt. „Jede Klasse erhält eine zweistündige Schulung“, sagt Huber. „Wir vermitteln einen Einblick in Theorie und Praxis.“ Kunz: „Natürlich reicht die Zeit für tiefgreifendes Wissen nicht aus. Aber immerhin gelang es uns bisher, den Kids ein bisschen die Augen zu öffnen für die Gefahren, die sie umgeben können.“ Bewusstseinsbildung, berichten die beiden übereinstimmend, sei offensichtlich nötiger denn je. „Gerade die Jungs wirken auf uns unbedarft. Wer geistesabwesend durch die Gegend läuft und dabei auch noch auf sein Handy starrt, rechnet nicht mit Gewalteinwirkung und würde von dieser komplett überrumpelt, ob die Gefahr nun durch ein Auto oder eine Gruppe von Männern entsteht.“ Ein weiteres Manko, das sie beobachten – auch dies möglicherweise eine Folge übermäßigen Medienkonsums – ist die zunehmend fehlende Körpererfahrung und Empathie. Über eine Doppelstunde könne natürlich nur „ein Impuls“ gesetzt werden, um gegenzusteuern. Huber nennt dazu folgende Leitsätze, die den Kindern nahegelegt werden: „Ich weiß, was ich kann, und ich kenne meine Grenzen.“ „Ich nutze meine Fähigkeiten, um Schwächeren zu helfen.“ „Ich gehe aufmerksam durch die Welt.“ Oder auch: „Wenn es keinen anderen Ausweg gibt, habe ich das Recht, mich zu wehren.“ Um all dies vertiefen zu können, sind die Trainer nun in Gesprächen mit der Stadt; ihr Wunsch ist, die Kurse im kommenden Schuljahr fortzusetzen. Erfreut stellen sie schon jetzt fest, dass die Kinder „im Großen und Ganzen sehr interessiert“ gewesen seien und „gut mitgemacht haben“.
Im Dokan, wenig später. Schüler rennen durcheinander, zum Beispiel um sich Stöcke zu überreichen, ohne sich zu verletzen. Wenn einer der Trainer „Stopp“ ruft, halten sie mitten in der Bewegung inne; beim japanischen Ruf „Yame“ stellen sie sich geordnet auf. Anschließend üben sie Bewegungsabläufe, die Kampfsituationen nachempfunden sind. Hier gilt: Berühren, ohne weh zu tun. Gelächter lösen die Trainer aus, als sie – den Blick auf den Boden gerichtet, mit unsichtbarem Handy in der Hand – träge durch die Halle schlurfen. In diesen Minuten haben alle Kinder die Köpfe hoch erhoben.

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